Königin Victoria ritt 1868 auf einem Maultier zum Gipfel des Pilatus, zwei Jahrzehnte bevor die steilste Zahnradbahn der Welt den Aufstieg zur Routine machte. Der Berg, den sie bestieg, war über Jahrhunderte gefürchtet. Der Stadtrat von Luzern verbot Reisenden einst, sich den Gipfelseen zu nähern, in der Überzeugung, dass das Aufwirbeln des Wassers Stürme heraufbeschwören würde. Ein Drache lebte in den Höhlen, so die Chroniken. Pilatus' Leiche solle im See liegen.
Die Wissenschaft setzte sich nur langsam durch. Im Jahr 1585 führte ein Luzerner Pfarrer namens Johann Jakob Zimmermann eine Gruppe auf den Berg, schrie den See an, warf Steine hinein und hielt fest, dass nichts passierte. Das Verbot wurde aufgehoben. Ab 1889 beförderte die Pilatusbahn von Alpnachstad Passagiere mit einer maximalen Steigung von 48 Prozent – ein Wert, der weltweit noch immer unübertroffen ist. Eduard Locher entwarf das System mit horizontalem Zahnstangenantrieb, das dies ermöglichte, nachdem herkömmliche Zahnräder an einem solch steilen Hang als unsicher galten. Ein moderner Tagesausflug von Zürich auf den Mount Pilatus und nach Luzern folgt dieser ingenieurtechnischen Linie, sei es mit der Bahn vom See oder mit der Gondel von Kriens aus.
Die Geologie erklärt die Dramatik. Der Pilatus ist ein Kalksteinmassiv, das während der alpinen Gebirgsbildung nach Norden geschoben wurde, wobei seine Gesteinsschichten entlang des Grats zwischen Tomlishorn und Esel sichtbar gefaltet und überkippt sind. Von der Gipfelterrasse auf 2.132 Metern umfasst das Panorama 73 benannte Gipfel, vom Berner Oberland bis zum Schwarzwald an seltenen klaren Tagen. Ammoniten-Fossilien liegen eingebettet im Fels direkt neben den Wanderwegen.
Unten bietet Luzern ein anderes Register. Die Kapellbrücke, erbaut um 1365, bleibt die älteste erhaltene gedeckte Holzbrücke Europas, trotz des Brandes von 1993, der den Großteil ihrer Deckenmalereien aus dem 17. Jahrhundert zerstörte. Das Löwendenkmal, 1821 in einen ehemaligen Sandsteinbruch gehauen, erinnert an die gefallenen Schweizergardisten der Tuilerien. Mark Twain nannte den sterbenden Löwen das traurigste Stück Stein der Welt.
Die Talstation Kriens am Schlossweg 1, 6010 Kriens, Schweiz, ist täglich von 08:30 bis 17:30 Uhr in Betrieb. Die Kombination aus Berg und mittelalterlicher Stadt ist das, was den Tagesausflug von Zürich auf den Mount Pilatus und nach Luzern von einem einfachen Gipfel-Ausflug unterscheidet — das eine bietet Höhe und Geologie, das andere acht Jahrhunderte städtische Kontinuität entlang der Reuss. Beide Ziele liegen nur 90 Minuten von Zürich entfernt, weshalb die Kombination seit dem Zeitalter der Eisenbahn zum Standard auf Schweizer Reiseplänen gehört.